FAQ - Fragen und Antworten

Die Mitglieder der AG Hafenschule haben sich mit diversen Fragen rund um den von uns gewünschten Erhalt/Neubau der Hafenschule am alten Standort in der Zehntenhofstraße auseinandergesetzt. Dazu gehört für uns auch das kritische Hinterfragen der angeblich mit der „großen Lösung“ verbundenen Vorteile für Schierstein. Unsere Positionen und Ideen finden Sie unter folgenden Fragen:

  1. Ist die Diskussion um den Standort nicht bereits „durch“ und entschieden ?
      
  2. Warum favorisiert die AG Hafenschule den Neubau der Hafenschule am alten Standort?
       
  3. Warum wendet sich die AG Hafenschule gegen den Neubau der Hafenschule auf dem EKS-Gelände?
       
  4. Wäre nicht auch ein Haus der Vereine ein Gewinn für Schierstein?
       
  5. Würde der große Campus auf dem EKS-Gelände die Chance auf eine Dreifelder-Sporthalle erhöhen?
       
  6. Was passiert mit den Hafenschülern während der Umbauphase am alten Standort?
       
  7. Wären die Kosten für die große Lösung nicht insgesamt geringer als für Einzellösungen an beiden Standorten?


 

Antworten

1.) Ist die Diskussion um den Standort nicht bereits „durch“ und entschieden?

Nein! Der notwendige Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Neubau der Hafenschule am Standort der EKS wurde noch nicht getroffen.

Im Zuge einer Stadtelternbeiratssitzung, die am 16. Januar 2018 in der Hafenschule stattfand, erfuhren wir von dem für Schulneubauten zuständigen Mitarbeiter des städtischen Schulamtes folgendes:

Plan sei, das Projekt Hafenschule/Erich-Kästner-Schule (große Lösung auf dem Gelände der EKS) im Zuge des neuen Haushalts 2018/2019 über die WiBau GmbH (eine 100prozentige Tochter der Stadt Wiesbaden) zu realisieren. Es werde ein Mietmodell geben. Die WiBau solle den Gesamtkomplex auf eigene Rechnung bauen und die Stadt mietet beide Schulen von der WiBau über 30 Jahre zurück.

Auf die Frage, inwieweit dieser „Plan“ bereits von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde, teilte das Amt der Stadtverordnetenversammlung am 18. Januar 2018 mit:

„Über das Stichwort „Große Lösung“ hinaus sind in den Haushaltsberatungen weitere inhaltliche Festlegungen zur Hafenschule nicht getroffen worden. Nach der Genehmigung des Haushalts ist es Aufgabe des Fachdezernats, der Stadtverordnetenversammlung auf der Grundlage der angesetzten Finanzmittel eine Grundsatz- bzw. Ausführungsvorlage vorzulegen. Erst in diesen Vorlagen werden die weiteren Details geregelt.“

Die angesetzten Finanzmittel betreffen im Fall der „Hafenschule/E.-Kästner-Schule“ für 2018: 650.000 Euro und für 2019: 750.000 Euro, jeweils als „Mietzuschuss“. Was unter diesem „Mietzuschuss“ zu verstehen ist und wofür dieser zum Einsatz kommen soll erläuterte uns das Schulamt am 8. Februar 2018:

  • Der „Mietzuschuss“ beinhaltet Ausgaben, die die Landeshauptstadt Wiesbaden aus dem Haushalt leistet, um die späteren Mietkosten geringer zu halten. In diesem Fall sollen daraus die Planungskosten finanziert werden, die nicht in die Miete einfließen. Damit verringert sich die Miete.
       
  • Beide Schulen und die Grundstücke sind Eigentum der Landeshauptstadt Wiesbaden. Eine Überführung hat nicht stattgefunden. Das Grundstück bleibt im Besitz der Landeshauptstadt Wiesbaden. Vertraglich geregelt wird dies durch einen Grundstücksüberlassungsvertrag. Neubauten und sanierte Gebäudeteile gehen für den vereinbarten Mietzeitraum in das Eigentum des Vermieters über. Nach Ablauf des Mietzeitraumes (voraussichtlich 30 Jahre) gehen die Gebäude in instandgehaltenem, sehr gutem Zustand in den Besitz der Landeshauptstadt Wiesbaden über. Miete und Instandhaltungskosten sind darauf abgestimmt.
      
  • Mit der Sitzungsvorlage sind die vertraglichen Eckpunkte zur Genehmigung in die Gremien einzubringen. Erst mit Beschlussfassung kann der endgültige Mietvertrag gegenseitig unterzeichnet werden. Die Vorbereitung des Vertrages begründet sich in der aktuellen politischen Festlegung, dass die beiden Schulen auf dem Grundstück der Erich-Kästner-Schule gemeinsam abgebildet werden und mit einem Finanzierungsmodell „Miete“ zur Umsetzung kommen sollen.

Daraus folgt, dass der im Haushalt beschlossene „Mietzuschuss“ defacto zur Finanzierung der Planungskosten verwendet wird und die Stadtverordnetenversammlung demnach aktuell nur die Finanzierung der Neubau-Planungen beschlossen hat. Die Einbindung der WiBau (über einen Mietvertrag in Kombination mit einem Grundstücksüberlassungsvertrag) hat noch nicht stattgefunden. Der Mietvertrag zwischen WiBau und Stadt kann erst nach einer weiteren Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung unterzeichnet werden. Hierfür existiert offenbar noch kein fester Zeitplan oder eine Frist.


 

2.) Warum favorisiert die AG Hafenschule den Neubau der Hafenschule am alten Standort?

  • Die Machbarkeitsstudie von 2014 hat deutlich gezeigt, dass eine Erweiterung der Hafenschule an ihrem bisherigen Standort möglich wäre. Die Umsetzung hätte auch für den Ortskern den Mehrwert, dass mit einer kleingliedrigen Bauweise der Charakter des alten Ortskerns aufgenommen und so ein einheitliches Gesamtbild am alten zum Teil von denkmalgeschützten Gebäuden geprägten Standort wiederhergestellt werden könnte. Das historisch gewachsene Ensemble aus Christophoruskirche, (Gedenkstätte der) Synagoge, Hafenschule, Christophorushaus und Schulwiese ist für Schierstein identitätsstiftend und sollte unbedingt baulich und bezüglich der jetzigen kulturellen Nutzung erhalten bleiben.
      
  • Das Gelände der Hafenschule umfasst rund 6.200 qm Grundfläche, davon entfallen gut 2.000 qm auf die Schulwiese. Dies bietet für die Hafenschule im Zuge des Neubaus die einmalige Chance, die Schulwiese noch stärker als bisher als „grünes Klassenzimmer “ mit einzubeziehen sowie naturnahe Pausen- und Bewegungsräume zu gestalten. Das ist auf dem Gelände der Erich-Kästner-Schule in dieser ausgeprägten Form nicht möglich.
       
  • Mit dem Umzug an den Standort der Erich-Kästner-Schule würde die Hafenschule deutlich an Freifläche verlieren. Laut der Machbarkeitsstudie stünden je Kind am Standort der EKS 7,5 bis 10 qm (asphaltierte) Freifläche zur Verfügung. Am Standort der Hafenschule wären es hingegen rund 12 bis 14 qm (4,5 qm asphaltierte plus 8 bis 10 qm naturnahe Fläche).
      
  • Das Hafenschulgelände könnte dank des dortigen Schulneubaus weiterhin als naturnahes lebendiges Zentrum genutzt werden – tagsüber für die Schule und nachmittags als zentraler „grüner“ Spielplatz. Es existiert kein vergleichbares naturnahes Gelände in Schierstein, auf dem Kinder auf einer Wiese (ohne Hundekot) mit Baumen und Büschen spielen könnten. Kein anderes naturnahes Gelände/Wiesengrundstück ist so sicher, da nur die Schulwiese nicht an den Hafen angrenzt und dort kein Publikumsverkehr herrscht. Verlässt die Grundschule hingegen den Standort in der Zehntenhofstraße, wird der nächste Schritt der Verkauf des Geländes an einen Investor sein. Die öffentliche Nutzung des Geländes und insbesondere der Schulwiese wird damit ungewiss.

 

3.) Warum wendet sich die AG Hafenschule gegen den Neubau der Hafenschule auf dem EKS-Gelände?

Zunächst einmal brächte der Umzug keinerlei Vorteile für die Hafenschule und es besteht auch keine Notwendigkeit für die Hafenschule, auf das Gelände der Erich-Kästner-Schule am Rand des Ortskerns umzuziehen.

Die Nachteile sind hingegen gravierend:

  • Mit dem Umzug an den Standort der EKS würde die Hafenschule deutlich an Fläche einbüßen. Laut der Machbarkeitsstudie stünden je Kind am Standort der EKS 7,5 bis 10 qm (asphaltierte) Freifläche zur Verfügung. Am Standort der Hafenschule wären es hingegen rund 12 bis 14 qm (4,5 qm asphaltierte plus 8 bis 10 qm naturnahe Fläche).
      
  • Der Umzug auf das Gelände der Erich-Kästner-Schule bedeutet den Verzicht auf die Schulwiese. Die bisherige und mit dem Umbau am alten Standort noch erweiterbare Möglichkeit, die Schulwiese als „grünes Klassenzimmer “ mit einzubeziehen sowie naturnahe Pausen- und Bewegungsräume zu gestalten, besteht an der EKS nicht in vergleichbarer Weise wie am alten Standort.
      
  • Durch einen Großcampus für verschiedene Schulformen mit bis zu 800 Schülern (530 EKS Schüler plus 200 bis zukünftig vielleicht 300 Hafenschüler) werden Konflikte deutlich wahrscheinlicher. Dementsprechend hatte das Schuldezernat/Schulamt in der Machbarkeitsstudie von 2014 folgendes Fazit gezogen und sich für Variante 1 „Neubau der Hafenschule am jetzigen Standort“ ausgesprochen:

„Die Zusammenlegung einer Grundschule mit einer weiterführenden Schule birgt aufgrund der unterschiedlichen Altersstrukturen immer ein gewisses Konfliktpotenzial. Des Weiteren wird mit dieser Variante dem Elternwunsch der Hafenschule entsprochen. Dem finanziellen Aspekt ist Rechnung zu tragen. Wenn dem Schul- und Elternwunsch mit einem geringeren Einsatz von Mitteln entsprochen werden kann, ist dieser Variante der Vorzug zu geben.“


 

4.) Wäre nicht auch ein Haus der Vereine ein Gewinn für Schierstein?

Ja, aber nicht am Standort in der Zehntenhofstraße. Verkehrs-, Parkplatz- und Lärmprobleme würden durch ein Haus der Vereine im Ortskern vor allem abends und am Wochenende deutlich zunehmen. Bereits jetzt sorgt die Nutzung des Veranstaltungsraums im Bürgerhaus häufig für Beschwerden der Anwohner. Eine Erweiterung dieser bestehenden Veranstaltungsfläche mitten im engen Ortskern, würde auch die Belastungen für die Anwohner durch Parksuchverkehr und Lärm steigern. Als Haus der Vereine wäre hingegen das Fritz-Brüderlein-Haus sehr geeignet. Das Haus wurde in den vergangenen Jahren in Stand gesetzt und verfügt außer über eine große Küche auch über eine frisch sanierte Toilettenanlage. Seine Lage in der Saarstraße direkt an der Bushaltestelle und mit der Zufahrt von der Hauptstraße aus am Rande des alten Ortskerns ist geradezu ideal. Parkplätze wären dort ausreichend im Innenhof vorhanden.


 

5.) Würde der große Campus auf dem EKS-Gelände die Chance auf eine Dreifelder-Sporthalle erhöhen?

Im Zuge einer Stadtelternbeiratssitzung, die am 16. Januar 2018 in der Hafenschule stattfand, erfuhren wir von dem für Schulneubauten zuständigen Mitarbeiter des städtischen Schulamtes, dass in dem Projekt zwar auch eine Dreifelder-Sporthalle vorgesehen werde, aber: Es wird keine Tribünenhalle geben. Die Dreifelder-Sporthalle wird benötigt, um für die insgesamt bis zu 800 Schüler am „großen Standort“ den morgendlichen Schulsport zu ermöglichen und wird baulich auch nur auf diesen Zweck ausgelegt sein.


 

6.) Was passiert mit den Hafenschülern während der Umbauphase am alten Standort?

Hier sei eine Gegenfrage erlaubt: Was passiert mit den 530 EKS-Schülern, wenn dort das komplette Gelände (inkl. Neubau Hafenschule) bebaut wird? Das Problem der Auslagerung ist für die Hafenschule deutlich kleiner als für die EKS. Aus der EKS müssen 530 Schüler ausgelagert werden, solange sich das Gelände im Umbau befindet. Die Hafenschule hat dagegen weniger als die Hälfte der Schüler: derzeit rund 200. Daher ist es auch viel einfacher für die Hafenschule während der Umbauphase ein Ausweichquartier zu finden.

Hierzu könnte übergangweise das Fritz-Brüderlein-Haus komplett von der Hafenschule genutzt werden.

Wir haben dort bereits

  • drei ausgebaute funktionsfähige und komplett möblierte Klassenräume
      
  • vier zusätzliche Klassenräume (einer im Obergeschoss und drei im Erdgeschoss), die mit geringem Aufwand (einzig die Möblierung fehlt) hergerichtet werden könnten. Dann hätten wir insgesamt sieben große helle Klassenräume – übrigens genau so viele, wie wir derzeit regulär an der Hafenschule haben (vier im Altbau, drei im Neubau)
      
  • ein kleines Lehrerbüro
      
  • zusätzliche Räume für die Verwaltung/Lehrerzimmer, die im zweiten Obergeschoss des Fritz-Brüderlein-Hauses ertüchtigt werden könnten
      
  • eine voll ausgestattete Küche mit Essplätzen für 30 bis 40 Kinder für den Mensabetrieb der Ganztagsschule
      
  • eine frisch sanierte Toilettenanlage

Für die ab kommendem Schuljahr und laut Schulentwicklungsplan mindestens bis 2021 durchweg zweizügige Grundschule fehlt dann nur noch:

  • ein zusätzlicher regulärer Klassenraum und ein Raum für den Vorlaufkurs. Beide ließen sich sicher mit einer doppelstöckigen Containerlösung auf dem Schulhof des Fritz-Brüderlein-Hauses schaffen
      
  • eine Möglichkeit den Sportunterricht abzuhalten. Dieser könnte sicher übergangsweise in der Georg-Lang-Halle stattfinden, die etwa in 10 Minuten zu Fuß zu erreichen ist

Kurzum: Die Infrastruktur für die Auslagerung der kompletten Hafenschule steht schon und müsste nur noch mit vergleichsweise wenig Aufwand ergänzt werden.

Die jetzt im Fritz-Brüderlein-Haus untergebrachte Betreuung könnte zu Beginn der Bauphase in die Container in der Zehntenhofstraße umziehen, die gerade errichtet werden und ebenfalls über eine Mensa verfügen werden. Währenddessen könnte der Altbau (Backsteinbau) in der Zehntenhofstraße mit einer Schulmensa ausgestattet werden, sodass die Betreuung mittelfristig dort bereits einziehen und auch bleiben könnte, wenn der komplette Umbau der Hafenschule am Standort in der Zehntenhofstraße fertig ist. Bereits nach den Plänen der Machbarkeitsstudie sollte die Betreuung im Backsteinbau untergebracht werden.

Die Auslagerung der Schüler der Erich-Kästner-Schule ist zudem einfacher möglich, wenn am Standort nur die EKS saniert wird. Hier sind ja „nur“ die Pavillons sanierungsbedürftig. Das bereits komplett sanierte Hauptgebäude der EKS könnte weiter genutzt und um Container auf dem Schulgelände bzw. auf dem gegenüberliegenden Parkplatz ergänzt werden während der Neubauphase. Dies ist viel einfacher dann möglich, wenn nicht das komplette Gelände neu bebaut wird – sprich, wenn die Hafenschule nicht auch an diesen Standort zieht und mit einem Neubau Fläche blockiert.

7.) Wären die Kosten für die große Lösung nicht insgesamt geringer als für Einzellösungen an beiden Standorten?

Es gibt bislang keine nachvollziehbaren Berechnungen, die nahelegen, dass die große Lösung „insgesamt“ günstiger ist.

Die Machbarkeitsstudie von 2014 veranschlagt

  • für die kleine Lösung am alten Standort: 12 Mio. Euro
  • für die große Lösung am Standort der EKS: 31,8 Mio. Euro

Inwieweit diese Zahlen heute noch zutreffen, ist nicht bekannt. Eine (öffentlich zugängliche) Kostenermittlung über die Sanierung nur der EKS existiert nicht. In der Machbarkeitsstudie werden die Kosten für den Neubau der EKS im Rahmen der großen Lösung mit 16 Mio. Euro beziffert. Hinzu kommen Kosten für die Auslagerung der EKS und Einrichtung in Höhe von 1,8 Mio. Euro. Ob diese Summen mit den Kosten für eine Sanierung nur der EKS gleichzusetzen wären, ist nicht bekannt.

Da offenbar der politische Wille besteht, beide Schulen (EKS und Hafenschule) zu sanieren, könnten über das neue Finanzierungsmodell WiBau beide Schulen an ihrem jeweiligen jetzigen Standort saniert werden. Uns sind keine Argumente bekannt, die hiergegen sprechen.

Im Gegenteil:

  • Auch die EKS hätte mehr Gestaltungsmöglichkeiten, wenn sie ihr Gelände ohne die Hafenschule planen darf.
  • Das Verkehrsaufkommen in der Kleinaustraße würde nicht noch chaotischer.

Einziges Argument für die große Lösung könnte sein, dass bei einem Verkauf des Hafenschulgeländes an einen privaten Investor mit einem hohen Erlös zu rechnen ist. Hierdurch lassen sich die Baukosten für die große Lösung allerdings nicht einmal um 10 Prozent senken. Der Bodenrichtwert liegt im alten Ortskern von Schierstein laut Bodenrichtwertkarte der Stadt Wiesbaden bei 500 Euro/qm. Das gesamte Gelände der Hafenschule mit rund 6.200 qm hat daher einen Wert von 3,1 Mio. Euro. Zu beachten ist jedoch, dass

  • die Schulwiese nicht bebaut werden darf
       
  • die alten nicht denkmalgeschützten Schulgebäude für einen Investor wertlos sein dürften und Abrisskosten verursachen und
       
  • die denkmalgeschützten Gebäude einen potenziellen Investor in der Gestaltung des Geländes einschränken